Besuch bei MOKIWE am 4. Mai 2017

Ich kenne die Begründerin von MOKIWE – Monica Polanszky – nun schon mehr als ein Viertel Jahrhundert und begleite die Einrichtungen von Anbeginn.

Nun ist es mir heute ein besonderes Anliegen, meine Eindrücke einmal niederzuschreiben und zu veröffentlichen.

Seit Jahren bewundere ich Monica Polanszky, mit welchem Enthusiasmus, Idealismus und großem Engagement sie diese Einrichtungen führt. Dabei scheut sie weder zeitliche noch finanzielle Investitionen. Sie „brennt“ regelrecht für die Umsetzung der Ideen Maria Montessoris und ist immer bestrebt, diese dem Zeitgeist anzupassen.

Von Eltern wurde immer wieder der Wunsch geäußert, für deren Kind, das meist drei glückliche Kinderhausjahre bei MOKIWE erlebt hatte, diese auch schulisch weiter zu begleiten.

So war es für sie 2012 endlich soweit, eine Schule zu eröffnen, was verbunden war mit der Gründung des gemeinnützigen Trägervereins MOKIWE e.V. Hierzu mussten Räume auf dem Klostergelände umgewandelt werden. Diese strahlen eine ganz besondere Atmosphäre aus. Mit dem dazugehörigen riesigen Garten wird hier den Kindern von 8.00 Uhr früh bis 15.30 Uhr Schule als Lern- und Lebensraum geboten.

Diese besondere „vorbereitete Umgebung“ konnte ich auch heute wieder einmal in Kindergarten und Schule erleben und genießen.

Überall konnte ich glückliche und engagiert spielende/arbeitende Kinder sehen.

Zwischendurch kamen im Kindergarten die Kinder zusammen, um mit einer ausgebildeten Englischlehrkraft und Montessori-Pädagogin zu singen; an einem für sechs Kinder gedeckten Tisch gemütlich Brotzeit zu machen; in einer kleinen Gruppe die bunten Perlenstäbe mit den englischen Namen zu benennen und danach das „Snake Game“ zu spielen, wo sie ganz selbstverständlich bis weit über 50 hinaus zählen konnten.

In der Schule gab es im Mathematik-Bereich für eine Gruppe von interessierten Kindern (ca. 10 – 11 Jahre alt) eine Präsentation der Prozentrechnung mit dem goldenen Perlenmaterial. Im Sprache-Bereich konnte ich die Präsentation „Im Land der Pronomen“ miterleben, wo acht Kinder im Alter von 8 bis 10 Jahren die Bedeutung des Personal-, Demonstrativ-, Possessiv- und Reflexivpronomens anhand einer erzählten und gespielten Geschichte erfahren durften.

Sowohl im Kinderhaus als auch in der Schule waren die Lehrkräfte sehr präsent und es war zu bemerken, dass hier die Anforderungen des Mediziners Joachim Bauer („Lob der Schule“) vollkommen erfüllt werden: „Die Schule muss Voraussetzungen für gelingende Bildung schaffen durch konstruktive, das Lernen befördernde Beziehungen.“

Bei den Präsentationen war auch zu beobachten, dass sich die Lehrkräfte selbst für die Inhalte begeistern können – eine Grundvoraussetzung für eine „gute Resonanz“, wie es Hartmut Rosa in seinem gleichnamigen Buch zum Ausdruck bringt. Es war ersichtlich, wie mittels Resonanz zwischen den Lehrkräften und den Kindern Neugier und Begeisterung übertragen werden. Dadurch war auch selbstverständlich, dass die Kinder sich nach der Präsentation sofort wieder ihrer persönlich gewählten Arbeit widmeten.

Im anschließenden Reflexionsgespräch mit Monica Polanszky und dem Team wurde immer wieder deutlich, dass der gesamten Bildungseinrichtung eine gute, professionelle „Erziehungspartnerschaft“ zwischen Pädagogen und Eltern eine „Herzensangelegenheit“ ist – dem Aufruf Gerald Hüthers (Neurobiologe) folgend: „Grundvoraussetzung für optimale Bildung ist, dass Eltern und Lehrer Erziehungspartner werden, die nicht in erster Linie auf maximale Förderung und gute Schulabschlüsse spekulieren, sondern ein gemeinsames Interesse an der Entfaltung der Entwicklungspotentiale eines Kindes und Jugendlichen haben.“ (G. Hüther: „Rettet das Spiel!“)

So war es auch Maria Montessoris Vision, „Schüler nicht mehr hauptsächlich auf Examen vorzubereiten, die sie für ihren weiteren Weg benötigen, sondern sie zu einer immer größeren Eigenverantwortung und Unabhängigkeit zu führen, die sie durch ihre eigene Willensanstrengung erreichen, um zur größtmöglichen Persönlichkeitsentfaltung zu kommen.“ (Maria Montessori: „Kosmische Erziehung“)

Ich freue mich, MOKIWE auch weiterhin begleiten und beraten zu dürfen.

Somit ist MOKIWE auch ein wichtiger Hospitationsort für die Montessori-Akademie Biberkor, die ihre Lehrgänge europaweit anbietet und deshalb auch ab Januar 2018 von Montessori-Europe und der Association Montessori Internationale (A.M.I.) anerkannt ist.

Demnächst wird auch eine Delegation von russischen Pädagogen MOKIWE besuchen, um sich hier wichtige Anregung für deren Aufbauarbeit in Russland zu holen.

Claus-Dieter Kaul
Pädagogischer Leiter der Montessori-Akademie Biberkor und international gefragter Montessori-Dozent